Helfen Anti-Falten-Cremes?

Die Dermatologin Prof. Dr. Martina Kerscher von der Universität Hamburg erklärt, was wirklich wirkt
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Helfen Anti-Falten-Cremes

Wer von uns stand nicht schon mal (ver-)zweifelnd vorm Kosmetikregal? Von der Anti-Falten-Creme bis zum Beauty- Serum liegen zahllose kostspielige Produkte für unseren Kampf gegen das Altern bereit und versprechen vieles. Aber bringt der Aufwand von außen überhaupt irgendwas? Und was – wenn nicht Cremes & Co. – kann uns ganz einfach jünger und frischer erscheinen lassen?

Wir haben eine Expertin getroffen, die weiß, was Cremes wirklich leisten können und welche Alternativen es gibt. Prof. Dr. Martina Kerscher ist Dermatologin und leitet an der Universität Hamburg den Studiengang Kosmetikwissenschaft sowie eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Wirksamkeit von Kosmetikprodukten beschäftigt. Uns hat sie verraten, welche Mittel tatsächlich für jugendlich frische Haut sorgen.

Interview mit Prof. Dr. Martina Kerscher

Wirklich niemand wird verschont. Irgendwann altert jede Haut und Falten werden sichtbar. Aber warum eigentlich?

Zum größten Teil sind äußere Faktoren für die Hautalterung verantwortlich, wie vor allem die UV- und Infrarotstrahlung der Sonne, aktives und passives Rauchen, aber auch Umweltbelastungen. Nur zu etwa 20 bis 30 % ist die Hautalterung genetisch bedingt. So verlieren Frauen beispielsweise in den ersten fünf Jahren der Wechseljahre etwa 30 % ihres Kollagens in der Haut, was zur Entstehung von Falten und Elastizitätsverlust führen kann. Zusätzlich bilden sich vermehrt freie Radikale in der Haut, die diese besonders schnell altern lassen, da sie einen Anstieg an kollagenabbauenden Enzymen bewirken. Die Haut verliert an Spannkraft und es bilden sich Falten.

Es gibt einen riesigen Markt für Anti-Falten-Produkte. Klar, wer möchte schon, dass seine Haut altert? Aber kann man Falten tatsächlich „wegcremen“?

Das kommt darauf an. Es gibt glättende, sofort wirkende Cremes, die die Haut sofort nach dem Auftragen regelmäßiger erscheinen lassen. Das ist allerdings ein kurzfristiger Effekt, der abends nach der Gesichtsreinigung verschwindet. Fältchen mit Anti-Aging-Produkten zu verbessern, funktioniert auch, braucht aber seine Zeit, also einige Wochen und Monate. Es gibt heute unzählige Wirkstoffe, darunter vor allem Vitamine (zum Beispiel die Vitamine A, B3, B5 und C), aber auch Signalpeptide und Wachstumsfaktoren, die einen wissenschaftlich nachgewiesenen Effekt auf die Zeichen der Hautalterung haben.

Also halten Anti-Aging-Produkte, was sie versprechen?

Anti-Aging-Produkte können die Zeichen der Hautalterung minimieren. Jedoch darf man nicht erwarten, dass eine Creme eine tiefe Falte „wegzaubern“ kann. Wirkstoffe – wie beispielsweise Vitamin C, Vitamin A oder auch Signalpeptide –

Prof. Dr. Martina Kerscher

können jedoch die Produktion von hauteigenem Kollagen wieder ankurbeln, die Hautoberfläche glätten und den „Skin Glow“, also die Strahlkraft der Haut, verbessern.

Trotzdem kommen viele Frauen irgendwann an den Punkt, an dem sie das Gefühl haben, dass Kosmetikprodukte ihnen nicht mehr helfen können. Was empfehlen Sie denn, wenn die Creme tatsächlich nicht mehr ausreicht?

Wenn die Creme nicht mehr ausreicht, sollte man entscheiden, welche Alterungszeichen als besonders störend empfunden werden. Sind dies etwa Mimikfalten, wie die Zornesfalte oder Sorgenfalte, hilft eine Behandlung mit Botulinum, um das Gesicht frischer und jünger erscheinen zu lassen. Soll die Strahlkraft der Haut verbessert werden, ist eine flächige Behandlung mit Hyaluronsäure sehr wirkungsvoll. Und fehlt Gesichtsvolumen, kommen zum Beispiel Filler zum Einsatz.

Ab wann halten Sie diese ästhetischen Behandlungen beim Facharzt denn für sinnvoll?

Eine ästhetische Behandlung ist in jedem Fall sinnvoll, wenn einzelne Falten stören oder die Haut an Elastizität und Volumen verloren hat. Also immer dann, wenn eine Creme nicht mehr ausreicht. Ich werde aber auch immer häufiger von jüngeren Patientinnen kontaktiert, um schon bei ersten Anzeichen der Hautalterung der Faltenbildung präventiv entgegenzuwirken. Dies geschieht – in vorsichtiger Dosierung – durch minimal invasive Behandlungen mit Botulinum oder auch Fillern.

In dem Bereich gibt es ja verschiedenste Behandlungsmöglichkeiten. Könnten Sie uns die Unterschiede erklären?

Botulinum ist in erster Linie zur Behandlung mimischer oder dynamischer Falten, wie zum Beispiel der sogenannten Zornesfalte zwischen den Augenbrauen, geeignet. Filler auf Basis von Hyaluron werden zum Aufbau von Volumen oder zum Füllen einzelner Falten wie der Nasolabialfalte (die Falte zwischen Nasenflügel und Mundwinkel), aber auch flächig mittels Mikroinjektionen zur Rejuvenation der Haut eingesetzt. So dienen sie als „Frischekick“, versorgen die Haut mit neuer Feuchtigkeit und verbessern so die Ausstrahlung und den „Glow“ der Haut. Allen Verfahren gemeinsam ist, dass sie – allein und vor allem auch in Kombination eingesetzt – das Aussehen um einige Jahre „verjüngen“ können. Sie lassen die Patientin entspannt aussehen – wie nach einem Wellness-Wochenende.

"Eine großflächige Behandlung mit Hyaluron versorgt die Haut mit neuer Feuchtigkeit und verbessert so die Ausstrahlung und den "Glow" der Haut"

Das hört sich toll an. Warum kann man solche Behandlungen nicht auch von einer Kosmetikerin durchführen lassen?

Behandlungen mit Fillern und insbesondere die Therapie mit Botulinum stellen ärztliche Behandlungen dar. Botulinum ist ein Arzneimittel, das unter das Arzneimittelgesetz fällt und daher nur in geschulte Fachhände gehört. Prinzipiell gilt: Alles, was äußerlich gecremt und angewendet wird, zählt als Kosmetik. Jegliche Injektionen oder andere Interventionen, die in tiefere Regionen gelangen, sollten ausschließlich von geschulten Ärzten durchgeführt werden.

Vielen Dank für dieses Interview, Frau Professorin Kerscher.